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Bücherschau

Hirth, Simone - Bananama

Roman über ein Aussteigerleben

In ihrem zweiten Roman erzählt Simone Hirth von einem Aussteigerleben. Am Waldrand steht ein einsames altes Haus, in dem Vater, Mutter und Tochter leben. Sie nennen es Bananama, jenen Ort, an dem die Visionen der Eltern von Glück, Freiheit und einem Leben im Einklang mit der Natur verwirklicht werden sollen. Die Ich–Erzählerin ist die sechsjährige Tochter, die von ihren Ängsten und vom Leben in Bananama berichtet.
Sie begräbt Wörter und tote Tiere, die sie am Waldrand findet, unter dem alten Walnussbaum: "Eines der ersten Wörter, das ich in diesem Frühling nach dem Wort Angst beerdigte, war das Wort Mitleid. Ich erinnere mich noch gut an die Beerdigung dieses Wortes, denn in den Tagen zuvor hatte Vater es oft benutzt. Er sagte zu Mutter: dein Mitleid bringt dich nicht weiter" (S. 12).
Anfangs geht sie noch zur Schule, aber die Eltern verändern sich zusehends und nehmen sie von der Schule. Der Vater unterrichtet sie zu Hause über Permakultur, Demokratie, Materialismus, Achtsamkeit und andere Themen, die im Zentrum seiner Lebensphilosophie stehen. Die Eltern wollen alles richtig machen, aber ihr Leben wird immer isolierter.
Die Mutter lässt Obst und Gemüse im Garten verfaulen und bestellt stattdessen asiatische Lebensmittel und Zutaten im Internet, aus denen sie Gerichte kocht. Auch der Vater bezieht Informationen aus dem Internet und besucht regelmäßig den Tauschkreis, von dem er mit Samen, Lebensmitteln und anderen Dingen zurückkehrt, die manchmal nicht gebraucht werden. Die Tochter wünscht sich eine Schwester oder eine Freundin, sie würde gerne die Schule besuchen und ein anderes Leben führen. Die Mutter beginnt immer mehr zu verstummen, wird dick und töpfert Schüsseln und Vasen, die der Vater zum Tauschkreis bringt. Immer intensiver und trostloser wird die Stimmung, die das Mädchen empfindet und erzählt. Eines Tages liegt ein toter Mann im Radieschenbeet, dadurch werden die Ängste des Mädchens unerträglich.
Simone Hirth blickt hinter die Utopie eines Aussteigerlebens mit allen Widersprüchen, Erkenntnissen und nicht konformen Emotionen. Das Buch nimmt rasch gefangen, ist verstörend und auch ironisch.
Rudolf Kraus

Hirth, Simone - Bananama
Roman. Wien: Kremayr & Scheriau 2018. 189 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01103-7

 

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