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Bücherschau

Poulain, Catherine - Die Seefahrerin

Frau an Bord in einer mythischen Männerwelt

„Der Seegang ist in mir. Ich habe den Rhythmus wiedergefunden, die starken Schübe, die sich vom Meer aufs Schiff übertragen, vom Schiff auf mich. Sie steigen mir doch die Beine hoch, wiegen sich in meinen Hüften. Ob das Liebe ist?“ Catherine Poulain ist Anfang dreißig als sie auszieht, mit dem Ziel auf einem Fischtrawler in der Beringsee anzuheuern.
Die Reise ihrer Ich-Erzählerin beginnt in Manosque, ihrem französischen Geburtsort, und führt sie mit Zwischenstationen von New York quer durch Amerika nach Alaska. Eine Reise voller Sehnsüchte, Widersprüchen und Zweifeln beginnt, die Poulain mit einer Unmittelbarkeit und großen Intensität schildert. Sie möchte „von einem Schiff adoptiert werden“, was heißt: in eine über Jahrhunderte gewachsene Männerdomäne vorzudringen.
Hochseefischen führt in eine mythische Männerwelt, in der Frauen bis dato keinen Platz hatten. Es ist ein einsames Geschäft, in dem eine Frau an Bord einer Provokation gleichkommt wie Poulain schreibt. Mit jeder kalten und schlaflosen Nacht an Deck, den zerschundenen Händen, Schnitten, Schmerzen, die zur Härte der zu verrichtenden Arbeit dazugehören, wird dem Leser, der Leserin deutlich, wie ernst es Catherine Poulain mit ihrem Vorhaben meint. Sie beschreibt dabei mit großer Zuneigung die Härte des Geschäftes im täglichen Kampf und was dieser aus den Männern macht, die Zerstreuung und wärmende Nähe bei ihren Landgängen suchen. Einem von ihnen, Jude, wird sie besonders nahekommen, und diese ungewöhnliche Annäherung zwischen den beiden Einzelgängern schildern.
Catherine Poulain hat nun zwei Jahrzehnte später diesen Teil ihrer Lebensgeschichte in ihrem Roman verarbeitet, der 2016 mit dem Prix Goncourt für das beste Debüt ausgezeichnet wurde.
Julie August

Poulain, Catherine - Die Seefahrerin
München: btb 2017. 410 S. - fest geb. : € 21,60 (DR)
ISBN 978-3-442-75739-8

 

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