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Bücherschau

Pittler, Andreas - Wiener Kreuzweg

Ein eigenwilliger und hintergründiger Kriminalroman

Drei Generationen, drei Jahrzehnte, drei soziale Ebenen. Die Familie Bielohlawek ist eine Arbeiterfamilie, die Strechas sind Kleinbürger, und die Glicksteins gehören zur Gruppe der Unternehmer. Alle drei Familien erleben in Wien die letzten Jahre der Monarchie, den Ersten Weltkrieg und den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.
Der aus Böhmen stammende Friedrich Bielohlawek arbeitet als Bierführer in Glicksteins Brauerei und ist 1914 gegen den Krieg. Da er seine Arbeit zur vollsten Zufriedenheit seines Arbeitgebers macht, verhilft ihm Glickstein dazu, dass er nicht in den Krieg ziehen muss. Sein Sohn, Wickerl Bielohlawek, ist ein ausgezeichneter Schüler, doch fehlt der Familie das Geld für das Gymnasium. Als die Genossen seines Vaters Geld für ihn sammeln, wird der Besuch des Gymnasiums möglich, und Wickerl kann später sogar Glicksteins Tochter Nachhilfestunden für die Matura geben.
Hermann Strecha studiert Medizin, bricht 1914 jedoch sein Studium ab und meldet sich freiwillig zum Krieg. Er wird an der Isonzofront eingesetzt. Anfang der 1930er Jahre ist er, inzwischen Prokurist in Glicksteins Brauerei, zum Nazi geworden, da er das Gefühl hat, im Leben zu kurz gekommen zu sein. Als die NSDAP verboten wird, lebt er gefährlich. Glickstein kennt seine politische Einstellung, ist aber mit seiner Arbeit sehr zufrieden und behält ihn in der Firma. Nach dem Anschluss 1938 jedoch nötigt Strecha Glickstein, ihm im Zuge der Arisierung die Brauerei zu übergeben. Sein Sohn Turl, der mit Wickerl Bielohlawek dieselbe Klasse besucht, sympathisiert ebenfalls mit den Nazis und führt lange Streitgespräche mit Wickerl, der nur in den Kommunisten einen Gegenpol zu den Nazis findet.
Bei der dritten Familie scheint zunächst alles in Ordnung. Friedrich Wilhelm Glickstein wird 1912 mit 27 Jahren im väterlichen Unternehmen aufgenommen und lernt in der Sommerfrische Hetty kennen, die Medizin studieren will. Nach der Geburt der Tochter Caroline bricht sie ihr Studium ab und wird depressiv. Es quälen sie Schmerzen, sie fährt rastlos umher und begeht am Schluss Selbstmord.
Andreas Pittler, der Geschichte und Politikwissenschaften studiert hat, veröffentlichte bereits mehrere historische Sachbücher und Kriminalromane. Der vorliegende Band ist der erste Teil der Wien-Trilogie „Wiener Triptychon“. Sehr einfühlsam und klar schildert er das Schicksal dreier Familien, die in einer schweren Zeit miteinander verwoben sind.
Traude Banndorff-Tanner

Pittler, Andreas - Wiener Kreuzweg
Roman. Wien: Echomedia 2017. 365 S. - fest geb. : € 19,80 (DR)
ISBN 978-3-903113-12-1

 

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