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Bücherschau

Klar, Elisabeth - Wasser atmen

Vom Innenleben zweier Frauen

Das Wasser in all seiner Wildheit und Unberechenbarkeit steht als Metapher für Ängste und das Leben zweier Frauen, die im Mittelpunkt von Elisabeth Klars zweitem Roman stehen.
Professorin Erika Wawracek ist Meeresbiologin und Bioakustikerin und erforscht die Klangwelt in den Tiefen der Weltmeere. Große Schiffe und Ölplattformen verdrängen immer mehr die Gesänge der Wale, die das eigentliche Ziel ihrer Forschungen sind. Mit ihrem Universitätskollegen und Freund Cécil betreibt sie Aikido und unternimmt Tauchgänge im Neufelder See. Dabei empfindet sie eine Art Tiefenrausch, verspürt den Drang, das Mundstück rauszunehmen und Wasser zu atmen. Erika befürchtet, von der Welt überwältigt zu werden, sie ist im Grunde einsam und hat Berührungsängste.
Judith Lackner, eine Studentin der Musikwissenschaft, interviewt Erika im Rahmen ihrer Diplomarbeit. Erika steht Judith anfangs ablehnend gegenüber, aber schließlich kommen sie sich doch näher. Judith zögert ihren Studienabschluss hinaus, sie hat ihre Klarinette verkauft, hat die Industrial-Band verlassen, in der sie gespielt hat, und taucht ein in Kindheitserinnerungen in einem Ort in Frankreich, der geflutet worden ist. Ein paar französische Worte sind Judith geblieben und das Wasser, das nun in Judiths Vorstellung ihr Leben flutet.
Beide Frauen haben große Berührungsängste, mit starken Bildern und Metaphern erzählt Elisabeth Klar vom Innenleben von Erika und Judith. Die behutsame Annäherung der beiden wird jäh unterbrochen, weil sich Erika für ein Jahr in die Antarktis an eine Forschungsstation begibt und Judith das Studium abschließt. Gegen Ende des Buches verlieren beide Frauen immer mehr die Orientierung, vieles greift ineinander, es geht um das Hören, das Hinhören, Zuhören, auch wenn es schmerzhaft ist. Der Roman besticht durch seine berührende, bildhafte und metaphernreiche Sprache.
Rudolf Kraus

Klar, Elisabeth - Wasser atmen
Roman. Salzburg: Residenz 2017. 357 S. - fest geb. € 24,00 (DR)
ISBN 978-3-7017-1679-1

 

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