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Bücherschau

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg

Georg Pichler zum 550. Todestag von Johannes Gutenberg

Geb. um 1400 in Mainz, gest. vor dem 26. Februar 1468

Ohne ihn hätte es weder die Reformation noch die moderne Bildung, wie wir sie kennen, gegeben. Doch Johannes Gutenberg ging es bei der Erfindung des Buchdrucks nicht um Kultur, so sein jüngster Biograf Klaus-Rüdiger Mai. Er wollte einfach zeigen, dass sich Dinge seriell produzieren lassen. Wir verdanken Johannes Gutenberg oder Henne Gensfleisch zum Gutenberg, wie der Erfinder des modernen Buchdrucks eigentlich hieß, eine Medienrevolution, die dem vergleichbar ist, was wir heute erleben mit der Digitalisierung und dem Internet.
So kulturell bedeutsam Gutenbergs Erfindung auch war – es ging dem Mainzer Goldschmied in erster Linie nicht um den Inhalt von Büchern und eigentlich auch gar nicht um Bücher."Ich glaube nicht, dass er von Anfang an den Buchdruck erfinden wollte", so Mai: "Er wollte im Grunde serielle Produktion."
Bevor Gutenberg sich dem Buchdruck zuwandte, hätte er bereits andere Dinge seriell  produziert: sogenannte "Heiltumsspiegel". Diese Spiegel waren unter Pilgern in Aachen ein beliebtes Souvenir, da man glaubte, so das Heilige der Aachener Reliquien einfangen zu können. Und Gutenberg ist klargeworden, dass er für viel für weniger Aufwand produzieren kann, wenn man diese Heiltumsspiegel eben nicht mehr einzeln feilt und aussägt, sondern wenn man sie stanzt, wenn man sie industriell produziert.
Klaus-Rüdiger Mai zieht auch Parallelen zwischen Gutenberg und Apple-Gründer Steve Jobs, indem er es geschafft Heiltumsspiegel, Wissen zu vervielfältigen und damit eine neue Kommunikationsform herzustellen.
Erhalten ist über den geschäftstüchtigen und erfolgreichen Unternehmer Gutenberg wenig.
Gesichert ist, dass Gutenberg im Zeitraum zwischen 1394 und 1405 (vielleicht auch erst 1408) als Mainzer Bürger geboren wird. Von 1420 bis 1428 hält er sich auf jeden Fall in Mainz auf. Danach lebt er in (der Nähe von) Straßburg und leitet verschiedene Geschäftsgemeinschaften, die auch mit dem „Drucken“ zu tun haben. Schließlich gründete er 1448 wieder in Mainz eine Geschäftsgemeinschaft und druckt die Bibel.
Im Notariat des Ulrich Helmasperger wird beglaubigt, dass sein Finanzier Fust Gutenberg eine Summe von 1550 Gulden vorgestreckt habe, die er selber habe leihen und zu sechs Prozent verzinsen habe müssen. Das Darlehen war also von Gutenberg mit Zinsen (insgesamt 2020 Gulden) an Fust zurückzuzahlen. Da Gutenberg der Aufforderung nicht nachkommen konnte, musste er die Druckerwerkstatt mit den fast fertigen Bibeln, die er als Sicherheit eingesetzt hatte, an Fust übergeben, der die Arbeit Gutenbergs zu Ende brachte.
Mit Urkunde vom 17. Januar 1465 ernennt Adolf II. von Nassau, Erzbischof von Mainz, in der Kurfürstlichen Burg zu Eltville Gutenberg zum Hofedelmann und lässt ihm ein Hofkleid, 2180 Liter Korn und 2000 Liter Wein übersenden. Im Jahre 1468 stirbt er und wird in Mainz beigesetzt.

Nur wenige Quellen zu Leben und Leistung Johannes Gutenbergs hat die Zeitläufte überstanden. Im wesentlichen handelt es sich um Akten zu drei juristischen Verfahren, in die Gutenberg als Petent oder als Beschuldigter involviert war: Im Jahre 1434 ließ der damals in Straßburg wohnende Gutenberg den nach Straßburg gereisten Stadtschreiber von Mainz in Haft nehmen, um die Fortsetzung von Rentenzahlungen durch die Stadt Mainz zu erzwingen; im Jahre 1439 kam es ebenfalls in Straßburg zwischen Gutenberg und dem Bruder eines verstorbenen Kompagnons, mit dem er ein Unternehmen zur Herstellung von Heilsspiegeln betrieben hatte, zu einem Prozess, in dessen Akten die Rede ist von einer "aventur und kunst", die mit einer "Presse" und etwas zum "trucken" zu tun hatte; und 1455 kam es in Mainz zu einer Auseinandersetzung zwischen Gutenberg und seinem Finanzier Fust, bei der es um die Verwendung von zwei Darlehen für das "Werk der Bücher" ging, womit die Herstellung der zweiundvierzigzeiligen Bibel gemeint ist, die den Weltruhm Gutenbergs begründen sollte.

Zu dieser Prachtbibel kommen weitere gedruckte Bücher, die sich auf Gutenberg zurückführen lassen und die als medienarchäologische Monumente zusammen mit den schriftlichen Quellen den Stoff ausmachen, von dem die Gutenberg-Forschung lebt. So hängt es etwa von der Interpretation der "aventur und kunst" ab, ob man es für möglich hält, dass Gutenberg schon in Straßburg mit dem Drucken experimentierte oder in der Herstellung von Heilsspiegeln allererst die technische Expertise gewann, die ihn in Mainz zum Erfinder der Drucktechnik werden ließ. Und von der Interpretation der Mainzer Prozessakten und der Analyse der in Mainz hergestellten Drucke hängt ab, wie man sich Erfolg und Scheitern Gutenbergs und die Gründe für die rasche Ausbreitung der Drucktechnik nach dem Prozess vorzustellen hat.
Über all dies informiert Klaus-Rüdiger Mai in seiner Biografie, aber aufgrund der mageren Unterlagen ist da halt viel Spekulation dabei. Sicher ist jedoch, dass der Erfinder des Buchdrucks mit seinen bahnbrechenden Neuerungen das Zeitalter der Moderne ein läutete.
Aber der Pionier aus Mainz war nicht nur ein genialer Erfinder, sondern auch ein geschäftstüchtiger Medienunternehmer, der um die Bedeutung seiner Erfindung wusste und sie gewinnbringend zu vermarkten verstand. Diese Modernität Gutenbergs inmitten der revolutionären Umbruchzeit des 15. Jahrhunderts stellt der erfahrene Biograph Klaus-Rüdiger Mai in den Mittelpunkt seiner Schilderung. Er versteht es gut, Gutenberg und seine Zeit lebendig werden zu lassen und die überraschende Aktualität dieser Lebensgeschichte spürbar zu machen.

Mai, Klaus-Rüdiger
Gutenberg
Der Mann, der die Welt veränderte. Berlin: Propyläen 2016. 381 S. fest geb. : € 28,80
ISBN 978-3-549-07467-1

 

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