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Bücherschau

Niess, Wolfgang - Die Revolution von 1918/19

Der wahre Beginn unserer Demokratie

Im historischen Bewusstsein der Deutschen ist die Revolution von 1918/19 kaum bis gar nicht verankert. Die Erinnerung an die turbulenten Ereignisse wurde vom darauf folgenden Zeitgeschehen überlagert: von den Gräueltaten der Nationalsozialsten, die den 9. November 1918, den Tag, an dem die Republik zweimal ausgerufen wurde, als das „größte Verbrechen der deutschen Geschichte“ bezeichneten, an den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen, an die Errichtung zweier deutschen Staaten. Deshalb wäre es jetzt höchste Zeit, meint der Autor, sich an die Errungenschaften zu erinnern, die diese Revolution gebracht hat.
In den beiden ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurde die parlamentarische Demokratie aus der Taufe gehoben, ein neues Wahlrecht, eine fortschrittliche Verfassung und nachhaltige Sozialgesetze beschlossen, die Sozialpartnerschaft zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern grundgelegt, der Achtstunden-Arbeitstag fixiert. Diese Errungenschaften veranlassen den Autor dazu, von einer „gelungenen Revolution“ zu sprechen, während die Geschichtsforschung bis heute von einer „gescheiterten Revolution“ spricht.
Die Revolution von 1918 blieb auf halbem Weg stehen, weil die sozialdemokratischen Regierungen es verabsäumten, die monarchistischen Kräfte in der Verwaltung, der Justiz und im Schulwesen, vor allem auch im Heer, auszuschalten. Sie verbündeten sich aus Angst, die Revolution könnte ihren Händen entgleiten, mit ihren Todfeinden und schaufelten sich à la longue selbst das Grab.
Wolfgang Niess weiß das natürlich. Aber er setzt in seinem sachkundigen, hervorragend geschriebenen Buch einen positiven Beurteilungsakzent. Man wird sehen, ob es ihm gelingt, ein Umdenken in dieser wichtigen Frage der deutschen Zeitgeschichte zu bewirken.
Friedrich Weissensteiner

Niess, Wolfgang - Die Revolution von 1918/19
Der wahre Beginn unserer Demokratie. München: Europa 2017. 463 S. - fest geb. : € 25,60 (GE)
ISBN 978-3-95890-074-5

 

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