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Bücherschau

Häusler, Wolfgang - Ideen können nicht erschossen werden

Revolution und Demokratie in Österreich 1789-1848-1918

Auch in der Donaumonarchie gab es Sympathisanten der Französischen Revolution. Die „Jakobiner“, wie man sie nannte, versammelten sich in Zirkeln an geheimen Orten und diskutierten über eine Änderung der bestehenden politischen Verhältnisse. Da sie über keine gemeinsame Ideologie verfügten, waren sie im Grunde genommen ein harmloser Debattierclub. Sie galten allerdings als gefährliche Staatsfeinde und Verschwörer.
Die Jakobiner wurden von der kaiserlichen Geheimpolizei verfolgt, verhaftet, vor Gericht gestellt und entweder zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Ihre Rädelsführer sind heute weitgehend vergessen (Hebenstreit, Riedel, Martinovics etc.). Der Autor bezeichnet sie als „Österreichs erste Demokraten“. Ihre Ideen lebten allerdings weiter. Nach den Jahrzehnten der Metternich-Ära (1815-1848), in denen jedwede freiheitliche Regung durch militärische Intervention, Polizei- und Zensurmaßnahmen im Keim erstickt wurden, brach in den habsburgischen Ländern eine Revolution los. Sie wurde in Wien und Budapest, in Prag, Agram und Krakau brutal niedergeschlagen, die alte politische Ordnung wieder hergestellt.
Franz Joseph, der junge Kaiser, regierte nach 1848/49 mit harter Hand wieder absolut. Konstitutionelle Reformen mussten ihm zäh abgerungen werden. Erst nach dem Zusammenbruch des multinationalen Habsburgerreiches wurde am 12. November 1918 in Wien die demokratische Republik (Deutsch-)Österreich ausgerufen, die in der Folgezeit harten Bewährungsproben ausgesetzt war.
Im historischen Kollektivgedächtnis der Österreicher ist die demokratische Entwicklung unseres Landes kaum präsent. Es gibt keine Persönlichkeit und keinen Ort, mit dem sich die Staatsbürger identifizieren könnten. Die Idee eines „Hauses der Republik“, das im Gespräch war, wurde leider noch nicht verwirklicht. Aber vielleicht kommt das „Museum der Republik“ heuer doch noch zustande. Denkanstöße dazu sind in diesem ausgesprochen detailreichen, hervorragend recherchierten, anspruchsvollen Buch in Hülle und Fülle zu finden.
Friedrich Weissensteiner

Häusler, Wolfgang - Ideen können nicht erschossen werden
Revolution und Demokratie in Österreich 1789-1848-1918. Wien: Styria 2017. 256 S. - fest geb. : € 29,90 (GE)
ISBN 978-3-222-15009-8

 

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