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Bücherschau

Botz, Gerhard - Nationalsozialismus in Wien

Machtübernahme, Herrschaftssicherung, Radikalisierung 1938/39

Thema des vorliegenden Buches ist die nationalsozialistische Politik in Wien vom sogenannten „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland im März 1938 bis zum Vorabend des Zweiten Weltkriegs, also zeitlich etwa eineinhalb Jahre umfassend. Und zwar meint hier Politik nicht nur die staatliche Ebene, sondern auch die „mehr oder weniger planvoll vollziehende Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse auch auf der regionalen bzw. lokalen Ebene“, so der Historiker Gerhard Botz im Vorwort. Dies schließt neben dem so genannten Politischen auch die sozialen Verhältnisse sowie wirtschaftliche und kulturelle Aspekte ein.
Wie der Nationalsozialismus in Wien, in der Stadt, in der Hitler seine „Lehrjahre“ verbracht hatte, an die Macht kam und sein Regime festigte, war lange Zeit ein Tabu der österreichischen Geschichte. Der Terror der SS und der Zugriff der „Reichsdeutschen“ stießen in der österreichischen Hauptstadt nicht nur auf die eifrige Mitarbeit der einheimischen Nationalsozialisten, sondern auch auf eine rebellische Kleinbürgerbewegung, die sich in Begeisterung, Judenenteignung und Pogromen erging. Gerhard Botz macht sichtbar, wie der Terror und das besondere (überaus ambivalente) Interesse Hitlers an Wien auf die Mithilfe österreichischer NSDAP-Mitglieder und Staatsfunktionäre, radikaler Antisemiten und beträchtlicher Bevölkerungsteile zählen konnte. Es waren Wiener, die sich schon seit dem „Anschluss“ in Pogromen austobten und aktiv an der Judenenteignung und -vertreibung mitwirkten. Die in Wien einsetzende Radikalisierung hatte durchaus auch Rückwirkungen auf das ganze nationalsozialistische „Reich“ und bereitete das nationalsozialistische Wien bereits auf den Zweiten Weltkrieg vor.
Gerhard Botz zeigt hier am Beispiel Wiens in den Jahren 1938 und 1939 beeindruckend das Funktionieren der NS-Machtübernahme, die umfassende Herrschaftssicherung und den alltäglichen Mechanismus von Kontrolle, Belohnung und Überzeugung des Einzelnen und ganzer Gruppen – und vor allem auch die sofort einsetzende Verfolgung von politischen Gegnern und sogenannten „Rassefeinden“.
Diese völlig überarbeitete Neuausgabe von Gerhard Botz' Buch über den "Nationalsozialismus in Wien" erscheint zum siebzigsten Jahrestag des österreichischen "Anschlusses" an das Deutsche Reich. Mit diesem umfangreichen Standardwerk hat Botz auf jeden Fall die Lebenslüge der Österreicher, sie seien „Hitlers erste Opfer“ gewesen, eminent in Frage gestellt.
Simon Berger

Botz, Gerhard - Nationalsozialismus in Wien
Machtübernahme, Herrschaftssicherung, Radikalisierung 1938/39. Wien: Mandelbaum 2018. 736 S. br. : € 34,00 (GE)
ISBN 978-3-85476-564-6

 

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