Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Bücherschau

Bauer, Jürgen - Ein guter Mensch

Über den Versuch, Menschlichkeit zu bewahren

Wer den Sommer 2017 hierzulande verbracht hat und unter der Hitze und den Tropennächten gelitten hat, der sollte unbedingt "Ein guter Mensch" von Jürgen Bauer lesen. Denn dieser düstere, dystopische und beängstigende Roman erzählt von einer Klimakatastrophe im Herzen Europas.
Es hat lange Zeit nicht mehr geregnet, die Menschen leiden unter der brütenden Hitze, das Wasser ist knapp und rationiert. Flüchtlinge werden kaum noch mit Wasser versorgt und die Zustände sind besorgniserregend. Besonders jene Szene, wo sich eine ältere Frau die Pulsadern aufschlitzt, um ins Krankenhaus zu kommen und für kurze Zeit mit Wasser versorgt zu werden.
Der Tankwagenfahrer Marko, der im Auftrag der Regierung Wasser mit seinem Tankwagen ausliefert, versucht sozusagen ein guter Mensch zu sein. Er kümmert sich um seinen alkoholkranken Bruder Norbert und um seinen psychisch labilen Freund Berger, dem er einen Job als Beifahrer verschafft.
Zudem leidet Marko nicht nur wie alle unter der Hitze sondern vor allem darunter, dass seine Frau Nehir ihn verlassen hat, um sich in ihre Heimat Türkei durchzuschlagen. Sein kleiner Freundeskreis strahlt aber noch ein wenig Optimismus aus, obwohl rundherum die Welt langsam zugrunde geht.
Eine Aktionsgruppe, genannt die "Dritte Welle", sorgt mit theatralischen Auftritten inklusive Wasserverschwendung für eine immer massivere Zuspitzung der Lage. Der Roman geht unter die Haut, gerade und weil er absolut vorstellbar und realistisch ist. Klimakatastrophen bestimmen auch heute schon regelmäßig die Nachrichten.
Jürgen Bauers Endzeitroman "Ein guter Mensch" ist eben eine denkbare Spielart, die trotz Verzweiflung und Ausweglosigkeit ein paar Protagonisten porträtiert, die dennoch versuchen, sich Menschlichkeit zu bewahren. Ein fesselnder und pathosfreier Roman, der nachhaltig hängen bleibt und zum Nachdenken anregt.
Rudolf Kraus

Bauer, Jürgen - Ein guter Mensch
Roman. Wien: Septime 2017. 218 S. - fest geb. : € 22,00 DR)
ISBN 978-3-902711-64-9

 

Artikel weiterempfehlen

© ÖGB-Verlag | Mit freundlicher Unterstützung vom Bundeskanzleramt Österreich / Kultur