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Bücherschau

Silberer, Renate - Das Wetter hat viele Haare

Oftmals surreale und traumartige Erzählungen

In ihrem Debütband präsentiert Renate Silberer elf Erzählungen, die lose in Zusammenhang mit der Familie und den Beziehungen der Geschwister Annemarie und Konrad stehen.
Dazwischen finden sich zehn „Momente“, kurze poetische Sequenzen, die manchmal Schräges bieten, wie einen abgetrennten, tiefgekühlten Frauenkopf, dann wieder ruhig nach Innen blicken. Die stärkste Geschichte ist die titelgebende Erzählung „Das Wetter hat viele Haare“, die von den Misshandlungen Konrads und seinen Freunden durch Neonazis berichtet, der dabei schwer verletzt wurde und im Krankenhaus aufwachte. Die Familie verharmlost diesen einschneidenden Zwischenfall, viel wichtiger sind Essen, Trinken und Fernsehen bzw. die Tatsache, dass das Wetter in der Figur der Wettermoderatorin Christa Kummer viele Haare hat.
Viele dieser Erzählungen sind traumartig und feinsinnig, besonders „Die Äpfel liegen auf Schnee“. Dieser Text berichtet vom Finale einer Schwangerschaft, den Bewegungen des Kindes im Bauch der Mutter und von der Geburt der Tochter Mareike: „Luft kreist um meine Scham, ihr Kopf ist da, einmal noch pressen, ihre Knochen, ihre Haut aus meinem Schoß“ (S. 127).
Dieser Debütband funktioniert wie ein Puzzle, erst Seite für Seite entstehen Bilder, die möglicherweise erst am Ende ein Gesamtbild erscheinen lassen. Oftmals surreal und traumartig mit einer starken poetischen Note.
Rudolf Kraus

Silberer, Renate - Das Wetter hat viele Haare
Erzählungen. Wien: Kremayr & Scheriau, 2017. 172 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-218-01081-8

 

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