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Bücherschau

Tiefenbacher, Andreas - Der Liebesdilettant

Ein gängiges und glaubhaftes Männerschicksal

Der Liebesdilettant Wenzel Wurm ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik- und Kunstgeschichtsstudium hinter sich und lebt bei seiner Freundin Marion in deren Wohnung. Diese hat allerdings eine völlig andere Lebenseinstellung als Wenzel. Während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und sich danach der Gemütlichkeit und dem Genuss hingibt, ist sie andauernd sportlich und gesellig unterwegs. Das kann nicht gut gehen! Und geht es auch nicht!
Wenzel bricht während eines Griechenlandurlaubes, der eigentlich zur Festigung dieser labilen Beziehung gedacht war, abrupt aus dieser Beziehung aus. Nun schleudert ihn sein Leben so recht und schlecht durch alle möglichen Höhen und Tiefen. Wenzel, ein grundsätzlich sympathischer Kerl, tut sich ungemein schwer, in der Gesellschaft Fuß fassen. Vor allem misslingt es ihm, ungeachtet aller Bemühungen, eine ernsthafte und haltbare Beziehung zu einer liebenswerten Frau aufzubauen. Im Gegenteil, nach etlichen gescheiterten Anbahnungsversuchen wird er sogar das Opfer einer mehr als stürmischen Liaison.
Auch im Berufsleben scheitert Wenzel, obwohl er nach einem absolvierten Studium auf eine gediegene Bildung verweisen kann, aufgrund seines eigenartigen Verhaltens. Schließlich findet er dennoch eine Wohnung, fängt an Rezensionen zu schreiben und sucht in Internetforen nach einer geeigneten Lebenspartnerin. Dabei tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt, auf, bis es zu einer ernsteren Beziehung zu Franka oder Franziska kommt, die allerdings auch mit einem Italiener liiert ist und von dieser Beziehung nicht lassen kann. Dass diese dubiose Beziehung für Wenzel beinahe tödlich endet, sei nicht verschwiegen.
Andreas Tiefenbacher gelingt es ausgezeichnet, anhand der fiktiven Figur des Wenzel Wurm (man beachte die Wahl des Namens der Hauptperson dieses Romans) ein durchaus in der heutigen Gesellschaft gängiges und glaubhaftes Männerschicksal zu simulieren. Dies oft mit Witz und verdecktem Humor, aber vor allem mit einem gehörigen Quantum Ironie. Wer dieses Buch aber nicht aus diesem Blickwinkel lesen mag, sondern dem Autor eine ernsthafte und gesellschaftskritische Absicht unterstellt, geht auch nicht ganz fehl. Auch diese Lesart ist durchaus einen Versuch wert. Ein sehr empfehlenswerter Roman.
Adalbert Melichar

Tiefenbacher, Andreas - Der Liebesdilettant
Roman. Wien: Wortreich 2017. 239 S. - fest geb. : € 19,90 (DR)
ISBN 978-3-903091-25-2

 

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