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Bücherschau

Ekinci, Yavuz - Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Eine märchenhafte Geschichte wie aus 1001 Nacht

Viele Mythen und Geschichten ranken sich um den Berg Amar und das geheimnisvolle Walnusstal. Dorthin wurden einst Amar und Sara auf dem Rücken eines Rappen zur Strafe geführt, um künftig dort – weitab von Menschen – zu leben. Alles begann mit dem wunderschönen Pferd Ravan des Königs Darius, der mir diesem wundervollen Rappen viele Länder erobert hatte und unbesiegbar war. Sein Sohn Schapel raubt eines Tages Ravan, doch der wirft ihn ab und galoppiert davon.
Als einige Zeit später der Mir von Samira Ravan begegnet, ist er begeistert und nimmt ihn zu sich. Er sucht einen Stallmeister für dieses edle Pferd und nimmt Amar auf. Dieser verliebt sich unsterblich in Sara, die Tochter des Mir. Als der Mir dies erfährt, flüchtet Amar zum Mir von Garzan. Dort trifft ihn Sara, die vor lauter Liebeskummer ihm nachgeeilt war. Saras Vater verlangt die beiden Liebenden zurück, doch der Mir von Garzan hilft den beiden Unglücklichen. Er führt sie, auf dem Rücken des Rappen, heimlich in das ferne Walnusstal, wo sie künftig leben sollen. Generationen später kommt ein Mann vom Berg Amar herab ins Dorf gelaufen. Die Einwohner wissen, was das bedeutet: Es werden Leute kommen, die alles niederbrennen und zerstören.
Stilistisch geschickt beschreibt der Autor die Angst, die die Dorfbewohner befällt. Nur ein bis drei Seiten lang, manchmal auch nur mit einem einzigen Satz erzählt jeder Bewohner aus seiner Sicht die gefährliche Situation. Durch die rasche Wechselfolge der subjektiven Berichte kann der Leser das entstehende Chaos, die tödliche Bedrohung und die Verzweiflung der Menschen spüren. Jeder weiß, dass die Männer das Dorf anzünden und die Bewohner töten werden. Viele wollen fliehen. Verwirrung, Ratlosigkeit, Angst, kopfloses Hin und Her, aber auch Ergebenheit in Gott beherrschen die letzten Kapitel.
Eine märchenhafte Geschichte wie aus 1001 Nacht, die jedoch in Chaos und völliger Vernichtung enden wird. Eine großartige Erzählung des vielfach ausgezeichneten kurdischen Autors, der in seiner bilderreichen und einfühlsamen Sprache die Angst vor einer wie ein Damoklesschwert über dem Volk schwebenden Vernichtung durch grausame Kriege beschreibt.
Traude Banndorff-Tanner

Ekinci, Yavuz - Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam
München: Kunstmann 2017. 185 S. - fest geb. : € 18,50 (DR)
ISBN 978-3-95614-166-9

 

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