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Bücherschau

Tremetzberger, Otto - Die Unsichtbaren

Über die Neigung, zu verschwinden bzw. unsichtbar zu werden

Der namenlose Erzähler dieses Romans arbeitet in einem internationalen Konzern und führt ein unauffälliges Leben. Er trifft sich mit Kollegen, mit seiner Freundin Anna und langsam scheint er sich in der Welt nicht zurechtzufinden. Er wühlt in der Vergangenheit, doch kommen ihm die Zusammenhänge abhanden. Sind die Leute um ihn Unsichtbare oder ist er ein Unsichtbarer?
Eines Tages findet er einen Zettel seines Arbeitskollegen Paul, dass er K. anrufen soll. K. ist sein Freund und liegt im Krankenhaus. Der Ich-Erzähler ruft an und erfährt, dass K. im Krankenhaus seiner Heimatstadt liegt. Er fährt hin und besucht K. im Krankenhaus. Was wirklich passiert ist, bleibt unscharf. Eine Schlägerei, ein Unfall oder etwas anderes?
Der Ich-Erzähler kann K. nicht wirklich wahrnehmen, er hält ihn für unsichtbar. K. überlässt ihm seine Wohnungsschlüssel, damit er nicht nächtens nach Haus fahren muss. Die Wohnung wirkt anfangs wie eine Jugendwohnung mit Spielzeug und Kindermöbel. Bizarr fühlt es sich an, wie wenn die Wohnung mit Theaterrequisiten ausgestattet wäre. Realität und Schein scheint sich zu vermischen, alles wirkt äußerst absurd.
Als er wieder ins Krankenhaus kommt, ist K. verschwunden. Stattdessen trifft er auf den Kranfahrer Hans, der ihn zu einer Schachpartie mit unvollständigen Figuren einlädt. Die Handlung wird immer undurchsichtiger und verworren, wahrscheinlich ist K. in den Spiegel entschwunden. Offenbar neigen die Figuren des Romans dazu, zu verschwinden bzw. unsichtbar zu werden. Kafka lässt grüßen.
Der Roman wirkt über weite Strecken wie ein Filmdrehbuch, Bilder hasten durch das Geschehen, dazwischen schnelle Schnitte, Blenden, Unschärfe und innere Monologe. Ein schwieriges Stück Literatur, interessant aber allemal.
Rudolf Kraus

Tremetzberger, Otto - Die Unsichtbaren
Roman. Innsbruck: Limbus, 2016. 188 S. fest geb.: € 20,00 (DR)
ISBN 978-3-99039-087-0

 

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