Bücherschau

Simon, Cordula - Wie man schlafen soll

Eine amüsante Dystopie mit einer starken poetischen Note

Cordula Simons dritter Roman ist eine Dystopie, und insofern bleibt sie sich stilistisch und inhaltlich treu, waren doch ihre Vorgängerromane zumindest in der Nähe angesiedelt. Beunruhigend an diesem Roman ist jedoch, dass die Handlung des Romans sehr nah an unserer Wirklichkeit existiert. Zwar gibt es die künstliche Stadt Lightraff, klinisch sauber und rund um eine Raffinerie gebaut, in der fast alles mit der Lightraff-Card zu bekommen bzw. zu benutzen ist.
Die drei Protagonisten Schreiber, Haye und Koslov teilen sich eine Wohnung und das Bett. Jeder hat 8 Stunden die Wohnung zur Verfügung, in erster Linie zum Schlafen, denn die Schichten der Personen sind so eingeteilt, dass sie sich nur bei der Übergabe der Wohnung sehen. Lightraff ist aber auch der Arbeitgeber, die Verwaltung, die Überwachung und eigentlich eine Firma, die alles und jedem steuert und überwacht. Doch eines Tages beginnt dieses Konstrukt zu bröckeln und das Tempo erhöht sich zusehends, alle drei Protagonisten werden unabhängig voneinander gekündigt und das System beginnt zu wanken. Sie treffen aufeinander, müssen miteinander kommunizieren, stammen aber aus unterschiedlichen sozialen Schichten.
Ein Meteorit bedroht die Stadt, die Wirtschaft bricht zusammen, nur die Bibliothek als geheimnisvoller Ort (vor allem des Bibliothekars) scheint nichts abzubekommen. Ironisch, humorvoll, dunkel und stellenweise bitterböse ist „Wie man schlafen soll“ von Cordula Simon. Vielleicht nicht immer zu Ende gedacht, aber durchgehend auf eine unangenehme und zugleich humorvolle Art unterhaltsam: eine amüsante Dystopie mit einer starken poetischen Note.
Rudolf Kraus

Simon, Cordula - Wie man schlafen soll
Roman. Salzburg: Residenz 2016. 194 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-7017-1668-5

 

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