Bücherschau

Searle, Nicholas - Das alte Böse

Ein Katz-und-Maus-Spiel der englischen Sonderklasse

Im englischen Original hat das Buch den Titel „The Good Liar“ – also der gute Lügner, welcher die Titelfigur schon recht gut umschreibt. Der deutsche Titel lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Alter der Protagonisten Roy und Betty; sie sind beide schon über 80 Jahre alt. Dieser Debütroman ist ein wunderbares Schelmenstück mit allen Agatha-Christie-Anleihen, in die heutige Zeit herüber geholt. Der Roman ist vor allem deswegen irritierend, weil wir darauf eingestellt sind, dass ältere Menschen außer einer Alltagsbosheit immer gute Menschen sind. Aber nein! Reality Check: Betrüger, Scharlatane, Verbrecher und sogar Mörder werden mitunter älter und alt und sind dann genau das, was sie immer waren: nicht ganz so wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft.
Roy sieht gut aus, hat Manieren (früher würde man ihn einen Gentleman-Verbrecher genannt haben) und er weiß sich auszudrücken. Er treibt sich im Internet auf Datingportalen herum und ist immer auf der Suche nach Bekanntschaften und nach Geld. So geschieht es, dass er auf Betty trifft. Auch sie ist im Internet unterwegs, auf der Suche nach einem Partner und recht vermögend. Sie lässt sich von ihrem Neffen zum Date bringen und trifft dort Roy. Beide sind überrascht, dass die Beschreibung auf dem Datingportal eigentlich der Wirklichkeit entspricht. Sie finden sich ansehnlich, witzig, amüsant und verbringen einen netten Abend. Nicht lange und Roy wohnt bei Betty.
Und jetzt beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel der englischen Sonderklasse. Mehr will ich nicht verraten – nur so viel: wie perfide traut sich Roy zu sein? Wie viel ahnt oder weiß Betty über Roy? Wer wird am Ende triumphieren? Eine Wohltat, so einen Krimi genießen zu dürfen! Herrlich. Tiefsinnig.
Mario Reinthaler

Searle, Nicholas - Das alte Böse
Roman. Reinbek: Kindler 2017. 368 S. - fest geb. : € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-463-40667-1

 

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