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Bücherschau

Mingels, Annette - Was alles war

Roman um eine junge Wissenschaftlerin

Mingels, Annette - Was alles war
Roman. München: Knaus 2017. 286 S. - fest geb.: € 20,60 (DR)
ISBN 978-3-8135-0755-3

Im Mittelpunkt dieses Romans steht Susa, eine junge Frau, von Beruf Meeresbiologin. Sie wurde als Baby von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben und von einem Ehepaar liebevoll aufgenommen. Für ihre Zieheltern war sie das langersehnte Kind, dem es an nichts fehlen sollte. Jetzt als erwachsene Frau, erhält sie aber plötzlich einen Brief ihrer leiblichen Mutter – Viola. Diese besteht auf ein Treffen, welches auch tatsächlich stattfindet. Für Susa bleibt Viola eine Fremde, die ihr mit ihrer ausgeprägten Egozentrik eher bald auf die Nerven geht. Aber dennoch, dieses Treffen sollte zukünftig unerwartete Folgen haben. Es setzt mehr Dinge in Bewegung, als man vorerst vermuten konnte!
Die junge Frau erfährt nämlich im Gespräch mit Viola die gesamten, allerdings völlig diffusen Familienverhältnisse. Vom Aufenthalt eines möglichen biologischen Vaters und von der Existenz zweier Brüder. Plötzlich überkommt Susa eine irritierende Sehnsucht, unter allen Umständen ihren biologischen Vater zu finden und ihre Brüder kennenzulernen. Ohne Rücksicht auf ihre Familie, ihre gesellschaftliche Situation und ihre beruflichen Pflichten tritt sie die Reise ins Ungewisse an. Dass dabei wohl alles Schaden nimmt, was bisher sorgsam gehütet, erfolgreich ausgerichtet und zukunftsträchtig schien, ist unausbleiblich!
Es geht um viel in diesem überaus mitreißenden und aktuellen Buch! Jede Leserin, jeder Leser kann sich dabei einbringen! Alles im eigenen Lebensbereich, möglicherweise schon dagewesen! Die Autorin wirft in diesem Buch Fragen über Fragen auf! Was bedeutet das heutige Modell Familie? Wie wichtig ist es, wenn konträre Entscheidungen in einer Partnerschaft unausbleiblich werden? Worin liegen die Ursachen, wenn eine Liebesbeziehung an der Realität zu zerbrechen droht? Bei wem liegt die Schuld? Wie bindend ist Blutsverwandtschaft? Wie erdrückend kann Elternliebe sein? Welchen Halt bieten heute herkömmliche Familienmodelle? Woher kommt der vor allem medial vermittelte Reiz des Modells einer Patchwork-Familie? Wie verkraftet man das fatale Wechselspiel, wenn die Beziehung im Zerbrechen ist, zwischen der Vorgabe noch ehelicher Treue und heimlicher, aus Rache verübter, selbstverletzender Seitensprünge?
„Was alles war“ ist ein mitreißender und packender Roman um eine junge Wissenschaftlerin. Dabei versteht es die Autorin meisterhaft, die unaufhaltsame, selbstverschuldete menschliche Selbstzerstörung einer bisweilen hoffnungsvollen jungen Frau, deren Ausgangsbasis für ihr zukünftiges Leben ungetrübt vorgegeben schien, schonungslos, atemberaubend und teilweise tief bedrückend vorzuzeichnen. So gesehen ist dieser Roman aus meiner Sicht eines der wichtigsten Bücher, die derzeit in den Regalen der öffentlichen Bibliotheken stehen sollten! Ich würde diese Lektüre ebenso für Eheseminare, Partnertherapien oder Schreibworkshops zu Themen, wie: „Von der Seele schreiben“ empfehlen.
Adalbert Melichar

 

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